Meine Haltung zur Corona-Pandemie/ Covid-19

Ich finde die ganze Situation komplex, schwierig und äußerst interessant - wie in dem chinesischen Fluch: "Mögest du in interessanten Zeiten leben!"... Noch nie in meinem Leben habe ich so etwas erlebt, und mir ist vor allem wichtig, so gut ich kann, Verständnis zu haben, zu entwickeln. Und immer wieder meine Urteile und Meinungen als die Geisteskonstrukte in Frage zu stellen, die sie sind. Urteile und Meinungen verhärten das Herz und trennen uns voneinander. Immun bin ich natürlich noch lange nicht dagegen...

 

Grundsätzlich ist meine Haltung stetig im Werden und Wandel, weil ständig neue Informationen auftauchen, und ich immer wieder neue Erfahrungen mache. Ich distanziere mich ausdrücklich von extremen Positionen, welche z.B. die Existenz des Virus leugnen, oder die Bundesregierung bzw. deren Handeln mit einer Diktatur vergleichen.

 

Persönlich habe ich bisher keine Angst vor dem Virus. Ich tue einiges für mein Immunsystem. Mein spiritueller Weg unterstützt mich sowohl dabei, Veränderung und Unsicherheit als zum Leben zugehörig zu begreifen, als auch dabei, Mitgefühl mit mir selbst zu haben, wenn ich davor Angst habe oder mich dagegen wehre. Immer wieder erfahre ich, dass es möglich ist, Veränderung, Unsicherheit, ja auch Angst, anzunehmen und sich in sie hinein zu entspannen.

Nein, das klappt nicht immer, und ja, könnte gut sein, dass ich zunächst mit Heulen und Zähneklappern reagieren würde, wenn ich nun doch erkranken und einen schwereren Verlauf oder Folgeschäden haben würde. Das ist normal, und menschlich.

Mein therapeutischer Weg lehrt mich paradoxerweise, dass es möglich ist, immer wieder zu Gefühlen von Sicherheit zurück zu finden - aus eigener Kraft, und/ oder mithilfe anderer Menschen.

 

Dabei ist mir an einem verantwortungsbewussten Umgang mit der Situation und meinen Mitmenschen gelegen, weshalb ich mich nach bestem Wissen und Gewissen an die Vorbeugungs- u. Eindämmungsmaßnahmen etc. halte, sowohl in meinem beruflichen als auch privaten Handeln.

 

 

Auf gesellschaftlicher Ebene, soweit ich diese überhaupt beobachten kann, scheinen mir die Reaktionen der meisten Menschen, einschließlich der WissenschaftlerInnen und EntscheidungsträgerInnen, jenseits der komplexen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhäge ebenso von tiefen und unbewussten psychischen Strukturen sowie neurophysiologischen Zuständen geprägt, wie bei uns "NormalbürgerInnen". Diese Strukturen dienen der Abwehr existentieller Ängste (Angst vor dem Tod etc.) und anderer Erfahrungen (Ohnmacht), die uns zu überfordern scheinen, sie sind meist unbewusst, haben Entsprechungen in messbaren, neurophysiologischen Zustände, und können leider zu einer verzerrten, recht engen Sicht der Realität führen.

 

Im Übrigen erachte ich viele Entscheidungen oder Entwicklungen als von unserem neoliberalen, kapitalistischen Wirtschaftssystem geprägt. Zum Beispiel sind Bildung, Familienleben, Kinder, Kunst im Kapitalismus keine direkt geld-/wertschöpfenden Lebensbereiche, und deshalb aus wirtschaftlicher Sicht nicht so wichtig wie z.B. der Bankensektor, produzierende, große u. mittelständische Unternehmen. Entsprechend kongruent auch die diesen Personengruppen zugemuteten Belastung bzw. zugestandenen Höhen an Fördergeldern.

 

Mir ist sehr unwohl dabei, wie unkritisch die größten Einschränkungen unserer Grundrechte seit Gründung der Bundesrepublik von den meisten Menschen hingenommen zu werden scheinen. Ich bin beunruhigt darüber, wie schnell ein Impfstoff zugelassen und verabreicht wird, dessen Nebenwirkungen überhaupt nicht ausreichend erforscht sein können, da er ja nur etwa ein Jahr Entwicklungszeit hatte. Von Langzeitfolgen (und deren Kosten fürs Gesundheitssystem) ganz zu schweigen.

 

Weiterhin vermisse ich im öffentlichen Diskurs Informationen und Positionen, die darauf hinweisen, dass man, wenn man über den Krankheitserreger SARS-CoV-2 spricht, auch über den Wirt, die Wirtin sprechen muss.

Und damit meine ich uns Menschen als Individuen, aber auch als Kollektiv.

 

Auf welchen Nährboden fällt denn dieses Virus?

Angst schwächt das Immunsystem. Angst ist uns oft nicht bewusst. Angst erzeugt Stress im Körper.

 

Negativer Stress schwächt das Immunsystem. Unsere Kultur mit ihren verarmten Beziehungen, mit ihrer verarmten Gefühls- und Körperwelt; mit ihrem Perfektionismus, ihrem Leistungsanspruch; die Beschäftigungsstrukturen des Kapitalismus, den wir bis zur Selbstausbeutung verinnerlicht haben; die zunehmende ökonomische Schere zwischen Arm und Reich; struktureller Rassismus, Homophobie, strukturelle Gewalt; das Wissen um die Klimakrise u.v.m. erzeugen ständig Stress in uns.

 

Die allgegenwärtige Erreichbarkeit über Handy etc.; die Flut an ständig neuen Informationen; der Lärm, mit dem unsere industrialisierte Welt uns alltäglich konfrontiert; all das erzeugt ständig Stress in unserem Organismus. Wir leben nicht mehr artgerecht.

 

Was baut Angst ab, was baut Stress ab? Entspannung, Ruhe, liebevolle, nährende Beziehungen. Zeit in der Natur, Zeit allein. Ausreichend und guter Schlaf. Angemessene Bewegung. Freude, Liebe, Dankbarkeit. Ein sinnerfülltes Leben. Meditation. Bewusstheit. Angenehme Körpererfahrungen. Guter, einvernehmlicher, verbundener Sex. Lachen. Spielen. Sein dürfen, ohne etwas leisten zu müssen...

Hm... alles ziemlich unproduktiv und ohne monetäres Return-of-investment. Wieviel davon leisten wir uns als Gesellschaft? Wieviel davon haben Sie in Ihrem Leben?

 

Und mit welchem Anspruch begegnen wir diesem Virus in Deutschland?

Augenscheinlich geht es zumindest der Regierung darum, zu verhindern, dass die Versorgungsmöglichkeiten des Gesundheitssystems überfordert werden. Das würde dann geschehen, wenn zu viele Menschen gleichzeitig so schwer krank werden, dass z.B. mehr Menschen Beatmungsgeräte bräuchten, um zu überleben, als Beatmungsgeräte vorhanden sind. Die gesundheitliche Versorgung, sicherzustellen, scheint das Leitmotiv der Bundesregierung zu sein. Sie will Schaden von der Bevölkerung abhalten.

Aber zu welchem Preis? 

 

Sind wir Menschen bereit, selbst Verantwortung für unsere Gesundheit zu übernehmen? Sind wir bereit, unseren Lebensstil so zu ändern, dass unser Körper die Chance hat, gesund zu bleiben? Sind wir bereit, uns mehr zu bewegen; uns gesünder zu ernähren, unsere Gewohnheiten zu verändern, uns neue Fähigkeiten anzueignen, die anfänglichen Mehrkosten ökologisch erzeugter Nahrungsmittel in Kauf zu nehmen? Sind wir bereit, zu lernen, wie wir uns aktiv entspannen können, anstatt uns nur vor der Glotze oder dem Laptop berieseln zu lassen, um abzuschalten? Sind wir bereit, uns zu verändern, um z.B. befriedigendere, nährende Beziehungen leben zu können?

 

Und wo diktieren uns Existenzängste und gesellschaftliche Strukturen, die wir sowohl mit erschaffen, mit tragen, erdulden, erleiden, und von denen wir auch profitieren, dass wir z.B. nicht genug Zeit oder Energie haben, um uns über Alternativen zu informieren; uns auszuruhen, lange genug zu schlafen, zu spielen, Selbstfürsorge zu betreiben?

 

Soweit, unvollständig, ohne Anspruch auf Richtigkeit, einige meiner Gedanken.