Meditation - Gundlagen

Meditation ist eigentlich nichts besonderes. Der Zustand, der Meditation genannt wird, entspricht unserer eigentlichen Natur. Die Techniken, die Meditation genannt werden, haben den Sinn, uns wieder mit unserer ursprünglichen Natur vertraut zu machen.

Was allerdings zunächst einmal passiert, wenn wir anfangen, zu meditieren, ist, dass wir mit all unseren Verhaltensmustern konfrontiert werden, die unsere eigentliche Natur verdecken.


Meditation wird auch "Praxis" genannt. Zum einen, weil es um etwas Praktisches geht, das wir praktizieren: Praxis bedeutet: "Anwendung, von Gedanken, Vorstellungen, Theorien o.Ä. in der Wirklichkeit; Ausübung, Tätigsein, Erfahrung" (Duden Fremdwörterbuch). Wir diskutieren nicht über Meditation oder unsere eigentliche Natur, oder analysieren sie. Stattdessen setzen wir uns hin und meditieren, und lassen uns auf eine Forschungsreise mit offenem Ausgang ein.

Zum anderen wird Meditation auch Praxis genannt, weil es darum geht, durch wiederholtes Üben Erfahrungen zu sammeln. Es geht also um einen Prozess, in dem wir Erfahrungen über einen Zeitraum hinweg ansammeln und entwickeln können. Das bedeutet ganz schlicht, dass wir die Bereitschaft entwickeln, uns wieder und wieder und wieder hinzusetzen, und (mehr oder weniger) nichts tun.

Eigentlich tun wir nichts, wenn wir meditieren. Es geht nur darum, mit unserem Sein in Kontakt zu kommen. Oder besser, uns unseres Seins wieder gewahr zu werden, es wirklich zu erleben.


Es scheint so zu sein, und Weise aus vielen, vermutlich allen, Kulturen und Zeiten haben dies gewusst und davon berichtet, dass unsere wahre Natur, unser Selbst, nicht das ist, was wir "Ich" nennen. In ihrem Buch "Ich - wie wir uns selbst erfinden" (Siefer, Weber) haben zwei Journalisten Ergebnisse etlicher medizinischer Studien und Untersuchungen zusammen getragen, die aus wissenschaftlicher Sicht die alte Weisheit bestätigen, dass es so etwas wie das "Ich" nicht gibt.

Was wir "Ich" nennen, wird in den meisten spirituellen Traditionen als "Ego" bezeichnet. Es strickt sich aus unserer Geschichte, unseren Wünschen, Bedürfnissen, den Hoffnungen für die Zukunft, und kreist grundsätzlich um das Konstrukt von "Ich - mir -meins". 

Besonders aus mystischen Überlieferungen können wir erfahren, dass es nur ein Selbst gibt, ein Sein, dem es anscheinend gefällt, eine unendliche Formenvielfalt hervor zu bringen - unter anderem viele unterschiedliche Menschen. Die Mystiker und Mystikerinnen berichten seit Jahrtausenden davon, dass es möglich ist, dieses wahre Selbst als die eigene Natur, das eigene Sein, zu erfahren. Meditation ist ein Weg dahin.

Andere Wege sind z.B. der Weg der Hingabe (z.B. an Gott), der Weg der Selbsterforschung, der Weg des Dienens oder die Kontemplation.

Es geht also bei der Meditation nicht so sehr darum, etwas Bestimmtes zu tun, sondern vielmehr, zu Ent-Tun. Während wir sitzen und praktizieren, begegnen wir all den Mustern unseres Verstandes, unseres Emotionalkörpers, oder unseres physischen Körpers, die unsere wahre Natur verdecken. Ein häufiges Bild dafür sind die Wolken, die scheinbar die Sonne verdecken. Die Sonne ist aber dennoch da, und scheint auch weiter. Wir nehmen sie nur nicht wahr.

Meditation vermittelt uns die Erfahrung, dass die Sonne da ist, ob nun Wolken davor stehen, oder nicht. Wir lernen, die Wolken zu erkennen. Anfangs scheint es oft, als wäre die Sonne ständig verdeckt - eine Wolke jagt die andere. Wir wollen die Wolken nicht da haben, wollen sie weg schieben - viel lieber wollen wir den Sonnenschein.

Meditation lehrt uns auch, Frieden mit unseren Erfahrungen zu schließen. "Ah - eine Wolke. Ok." Oder auch: "Oh, eine Wolke. Das finde ich doof. Ok - da ist der Gedanke, ich finde das jetzt doof."

Sein geschieht, unabhängig von der Art der Erfahrungen. Aber wir sind uns selbst so entfremdet, dass es anfangs hilft, Techniken zu lernen, spezielle Zeiten einzuhalten, einen speziellen Ort oder eine spezielle Position einzunehmen, damit wir anfangen können, uns unserer eigentlichen Natur anzunähern.